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 Ein Tag des Sterbens

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AutorNachricht
Peter
MITGLIED
MITGLIED
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BeitragThema: Ein Tag des Sterbens   Mo 28 Dez 2009 - 7:48

Heute am frühen Morgen schwammen unsere letzten beiden großen Goldorfen tot im Wasser auf der linken Teichseite. Die Zeit, in der unser Teich zugefroren war, hatten sie ganz normal mit der für sie üblichen Winterträge zugebracht. Durch das halbtransparente Eis konnte man sie fast täglich kontrollieren. Die beiden Fische waren sehr alt, etwa 45 cm lang. Sie entstammten jener verschworenen Generation von Orfen aus den achziger bis frühen neunziger Jahren, die immer dann, wenn bei uns "neue" Hunde ankamen, in irgendeiner Ecke des Teiches konspirative Zusammenkünfte abhielten und darüber beratschlagten, wie lange es wohl dauern würde, bis der neue vierbeinige Mitbewohner zum ersten Male in ihren Teich plumpst... Nun ist diese Ära endgültig vorbei. Die viel kleineren Nachkömmlinge sind vollzählig vorhanden und augenscheinlich gut beieinander. An der Wasserqualität oder an einem Sauerstoffmangel kann es nicht gelegen haben. Sie waren einfach zu alt, und die Strapazen des Wintereinbruchs wohl zu groß, es war ihre Zeit des Sterbens. Ausgerechnet jetzt, wo der halbe Teich wieder eisfrei ist. Aber es war vielleicht ihre letzte Rücksichtnahme - so konnte ich sie ohne Aufwand bergen...

Es ist ein Tag des Sterbens. Unser Hundeopa Rocky durchlebte in der Monatsmitte eine kleine gesundheitliche Krise, er erbrach seine Mahlzeiten unverdaut jeweils nach einigen Stunden. Dies bekamen unsere Tierärzte recht schnell wieder in den Griff, wiewohl sein altersschwaches Herz in dieser Zeit deutliche Ausfallerscheinungen zeigte. Aber er überstand diese kleine Krise schnell und in der für ihn so typischen Vitalität. Pünktlich vor dem Beginn des Weihnachtsfestes war alles wieder im grünen Bereich, der kleine Rocky war so agil und schien so unverwüstlich wie gewohnt.

Im Verlauf der teilweise turbulenten Weihnachtstage schien er mitunter recht verhalten daherzukommen. Zu vieles verlief außerhalb der von ihm gewohnten Bahnen. Besuche bei der Familie, Besuche von der Familie, Festschmaus und Weihnachtsbaum - er wirkte bei aller Normalität manchmal irgendwie zurückgenommen. Ich hatte den Eindruck, es sei höchste Zeit, daß das Leben des kleinen Hundeopas wieder im "normalen Trott" verlaufen müsse...

Wir absolvierten gestern noch lange Spaziergänge durchs Revier der Hundesenioren, Rocky schäkerte mit Hundemädels, die wir auf unseren Wegen trafen, er hopste - wie es seine Art war - elegant ins Auto und aus dem Auto heraus... Wenn wir zuhause ankamen, setzte er wie gewohnt schwungvoll über die hohe Schwelle der Terrassentür und trabte munter und freudig durch die Wohnung auf der Suche nach Hannelore, um sie zu begrüßen; er war nur dann richtig froh, wenn die ganze Familie von Menschen und Hunden vollzählig beisammen war.

Vormittags fraß er ganz normal, am frühen Abend war er jedoch wieder recht appetitlos. Den Abend verbrachte er augenscheinlich ruhig und entspannt. Unsere Nacht-Tour verlief wie immer, danach nahm er noch ein weiches Leckerli als "Betthupferl" an. Am frühen Morgen erwachte ich, weil der kleine Hunde-Opa unruhig umherlief, dabei sehr kurzatmig war, und dies mit einer sehr schnellen Atemfrequenz. In großer Eile kleidete ich mich an, und fuhr mit ihm zu unserer Tierärztin. Auf dem Weg dorthin starb der kleine Rocky; er legte sich hin, um nicht mehr aufzustehen...

So hat sich unser kleiner Methusalem also auf den Weg zum Land an der Regenbogenbrücke aufgemacht. Seine irdische Hülle liegt nun direkt neben unserer Superoma Nadia begraben, auch die beiden Orfen haben dort ihren Platz gefunden. Es war ein Tag des Sterbens und des Abschied-Nehmens...

Als ich Rocky aus der Nähe von Mönchengladbach zu uns holte, wussten wir, daß er über 22 Jahre alt war. Da uns sein genauer Geburtstag nicht bekannt war, ernannten wir den Tag seiner Ankunft bei uns zu seinem Geburtstag. Von daher wurde er 22 und ein halbes Jahr alt. Vielleicht war er in Wirklichkeit schon über 23 - wer weiß es schon? Egal, es war uns klar, daß bei einem solchen Alter das Ende jederzeit bevorstehen könnte. Und trotzdem wird jeder Abschied immer schwerer, und damit auch die Sehnsucht immer größer, mit all den Lieben dereinst wieder zusammen zu sein. Zu viele der treuen Seelen sind von uns gegangen.

Ich werde Rockys Fröhlichkeit und seine unfassbare Vitalität immer in meinem Gedächtnis behalten. Seine schwungvollen Sätze über die Terrassentürschwelle werde ich immer vor Augen haben. Sein erstaunlich sonores und kräftiges Bellen wird in meinem Ohr bleiben. Rocky war ein unbeschreiblich toller und beeindruckender Gefährte. Und so etwas sollte vor einem halben Jahr weggeworfen werden, wie ein Stück Müll - es ist alles so unfassbar...

Ich wusste gestern - so etwa um halb zwei - nicht, daß dieses Bild das letzte Bild sein würde, welches meine alte Digicam von dem kleinen Opa einfing:



Der letzte Video-Schnipsel, der uns von Rocky bleibt, zeigt einiges von seiner ungebremsten Lebensfreude und Dynamik, die er seinem uralten Körper entlocken konnte: