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 Pebbels, vormals Tökmag aus der Tötung Varpalota

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Silke
Admina
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BeitragThema: Pebbels, vormals Tökmag aus der Tötung Varpalota   Fr 22 Jan 2010 - 5:14


Ich bin der kleine Pebbels und ich bin schon ein richtig grosser, selbständiger Wuff.

Wo ich aufgewachsen bin, ist mein Geheimnis und so soll das auch bleiben! Nur soviel, es war in einem Land das sich Ungarn nennt.

Alles andere will ich nicht verraten, niemanden ! Oder sollte ich besser doch einige Dinge erzählen ??? Vielleicht versteht Ihr ja dann, warum ich dies & jenes anders mache, als Ihr das alle kennt ??? Ok, ist sicher besser so, dann fang ich mal an...



...als ich noch ein kleiner Junge war, stand ich schon völlig allein in der großen, weiten Welt. Ich hatte Hunger und Durst, mir war oft kalt und ich hatte Angst. Aber keiner war da, der mir helfen wollte. Es gab wohl zu viele meiner Artgenossen, die genauso allein & hungrig & durstig & ängstlich waren, wie ich!

Nun dachte ich mir – ok ... hilft Dir keiner, musste Dir selber helfen !

Also zog ich immer durch die Strassen und suchte etwas, was dieses ewige Magengrummeln endlich weg machte. Und ich fand diese Wundersachen in weggeworfenen Essensresten der Menschen. Fleisch.- und Wurstreste waren bei mir besonders beliebt! Aber auch ein Stück entsorgte Semmel, ein Stück Pizza, ein alter aufgeweichter Keks.... ganz egal – mit all diesen Sachen bekommt man das Magengrummeln weg ! Wenn ich Durst hatte, suchte ich mir eine Pfütze, die manchmal allerdings nirgends zu finden waren. Da dauerte es schon mal ganz lange, fast zu lange, bevor ich mir da selber helfen konnte. Und genau dann traf ich immer wieder auf Artgenossen, die ebenso wie ich schon lange danach suchen mussten. Manchmal kämpfte ich um die Pfütze, manchmal gewann ich das tolle Nass und manchmal verlor ich es wieder, bevor ich es besessen hatte!

Aber wie Ihr lesen könnt, ich lebe noch und das zeigt ja auch, dass ich ein Kämpfer bin und das ich groß und stark & selbständig bin.

Hunde, die wie ich auf der Strasse leben, müssen einfach so sein, sonst verweilen sie nicht lange in dieser Welt !

Eigentlich ging es mir gut ! Naja nicht jeden Tag, weil manchmal grummelte alles in mir und ich fand nichts, rein gar nichts, um das grummeln zu beruhigen.

Aber ich hatte meine Freiheit und das ist auch was tolles !

Wenn da nicht .....

tja, wenn da nicht die Menschen wären! Nicht alle waren uns Strassenhunden gegenüber wirklich gut gesinnt! Immer wieder bekam ich Tritte ab, die meinen kleinen, wenige Kilo leicht wiegenden Körper durch die Luft wirbelten. Kannst mir glauben, dass man da als kleiner Hund ziemlich vorsichtig wird ! Das tut nämlich ganz schön weh ! Ich hab auch gelernt, dass es verschiedene Menschen gibt. Einige haben ganz tiefe Stimmen und vor denen nehme ich mich besser in Acht! Andere widerum sprechen ganz sanft und leise und eben viel höher, als die anderen, die sind meist lieb und geben auch mal etwas fressbares ab. Leider sind das aber auch nicht alle, es gibt eben Unterschiede!

Aber egal, mein Leitspruch fürs Leben war geprägt:
lieber mal etwas vorsichtiger sein, als erneute Schmerzen ertragen!

Tja, so war das damals und auch heute lebe ich noch nach genau dieser Divise!
Allerdings hat sich ganz viel in meinem Leben verändert.



Es geschah eines Tages, das ich auf meiner alltäglichen Futtersuche nicht ganz dolle aufpasste und plötzlich war da eine Schlinge um meinen Hals. Ich hörte einige Stimmen, die laut und hart und ganz tief waren. Ich hatte solche große Angst, aber wieder war keiner da, um mir zu helfen!

Die Tiefstimmen zogen an der Schlinge und ich bekam fast keine Luft mehr, es tat soooo weh und ich hatte sooo große Angst ! Ich wurde dann in ein Auto gepackt und ........... nein, daran will ich mich nicht mehr erinnern !

3 Monate später saß ich immer noch in einem kleinen Käfig. Meine Beine taten so weh, mein ganzer Körper bestand aus Schmerzen. Immerhin konnte ich bis zu dem Tag immer und überall hinlaufen und nun saß ich schon sooooo lange in einem Gefängnis .. Was hatte ich denn angestellt, das sooo schlimm war, das man mich hier so quälte? Aber Ihr könnt es Euch ja sicherlich denken....... ich weiß es nicht !

Immer wieder wurden Artgenossen, die in den Käfigen um mich herum eingesperrt waren, aus ihren Boxen gezogen.... sie kamen nicht wieder ! Aber Angst machte sich breit – alle hatten Angst, auch die ganz großen , starken Hunde ! Einer von denen erzählte mir mal, das wir hier in einer der vielen Tötungsstationen sitzen. Ohjeee, der Name machte mir schon wieder Angst, weil ich gar nichts daran ändern konnte. Ich bin zwar stark, aber nicht stark genug, um diese harten Gitterstäbe kaputtzukriegen!

Ab und zu kamen aber auch Menschen die sanfte, hohe Stimmen hatten. Und die machten uns Mut ! Wir wurden fotografiert und manche von uns hatten auch ganz schnell das Glück aus dieser grauenvollen Station herauszukommen!

Der große Hund, der mir vieles über diese Tötungsstation erzählte, sagte auch, das ich schon zu lange hier bin und das ich es wohl nicht schaffen werde...

Aber – ich bin hier, also hab ich es auch geschafft !



Was ich zu diesem Zeitpunkt ja nicht wissen konnte war, das mein Tag zum sterben schon feststand...... es sollte der 26.11.2007 sein!

Mein Schicksal schien besiegelt zu sein........ aber da waren diese sanften Menschen, die mich fotografierten ! Wie ich später erfuhr, kamen die von einem Tierschutz Verein, der Casa Animale , die Hunde wie mich vor dem schlimmen Schicksal retten.
Und ob Ihr es glaubt oder nicht... genau am 26.11.2007 kamen diese netten Menschen zu mir und kauften mich und noch viele andere Hunde frei !
Sie brachten uns in Sicherheit !




Dort wurden wir geimpft, kastriert ( was ne ziemlich blöde Sache ist !!! ) und untersucht. Im Laufe meines dortigen Aufenthaltes erfuhr ich dann auch, das die netten Menschen nur Hunde wie mich retten können, wenn andere Menschen eine Patenschaft übernehmen. Ich weiß zwar nicht, was eine Patenschaft ist, aber das heißt ja dann, das ich ein Patenhund bin und nur deshalb darf ich leben !

Liebe Patenmama, ich danke Dir herzlich dafür, das Du mein Leben gerettet hast – ich hab Dich lieb !!!

Nach einiger Zeit, die die netten Menschen Quarantäne nannten, wurden wir Reisefertig gemacht. Wieder wurden wir in Autos gepackt und ich hatte wieder Angst ! Allerdings waren die Stimmen diesmal ganz anders – lieb & sanft und dadurch dachte ich mir schon, das die Reise in eine bessere Zukunft gehen wird !

Es war eine lange Reise und wenn Du Dir jetzt mal vorstellst, das man Dich ganz viele Stunden mit einem Auto rumfährt und Du nicht weißt wohin es geht und was Dich da erwartet, dann kannst Du meine Angst sicherlich verstehen !

Zwischendurch hielt das Auto immer mal an und einige meiner Mitreisenden wurden rausgeholt. Ganz ehrlich, ich saß bis zum Schluss im Auto... ich hatte Angst, das mich wieder keiner will !

Aber irgendwann hielt das Auto auch zum letzten mal an und ich durfte aus der Box ! Die liebe sanfte Menschin, die mich behutsam an einer Leine hielt, schien nett zu sein & ich fasste sofort Vertrauen zu ihr !

Ich war wirklich glücklich, auch wenn ich immer noch nicht wusste, wohin meine Reise und damit mein leben geht.

Nochmal änderte sich alles, dabei war ich doch sooooo aufgeregt ! Die liebe Menschin übergab die Leine einer anderen Menschin, die mich kurz entschlossen wieder in ein Auto steckte. Da wurde ich sogar festgebunden, das musste Dir mal vorstellen !!! Und wieder fuhr das Auto los... ich schaute einstweilen immer wieder zu der neuen Frau, die da vorne sitzen durfte!

Irgendwann hielten wir an und ich durfte endlich wieder raus aus dem Auto !



Aber da gab es zwei Dinge, die mich mächtig störten:

war da diese Leine, die mich intensiv an den Tag erinnerte, der mich in diese Tötungsstation gebracht hat. Auch damals hatte ich diese Schlinge um den Hals und ich mochte das alles gar nicht !

hatte die Menschin noch ein Überraschung für mich... bei ihr lebte nämlich noch eine Hundine ! Und die war ganz schön groß & stark ! Ob ich mich da wohl durchsetzen kann, wenn ich mal eine Pfütze finde oder etwas gegen dieses grummeln im Bauch ? Naja, versuchen werd ich das auf jeden Fall, hat ja bisher auch geklappt !



Wir machten einen gaaaaaanz langen Spaziergang, der dann damit endete, das ich in ein Haus durfte bzw. musste !

Wisst Ihr eigentlich, das das alles ganz doll schwierig für mich ist ? Es geht schon mal damit los, das ich plötzlich nicht mehr mein Geschäft irgendwo und überall verrichten darf. Dabei ist es sowieso nicht so einfach, den geeigneten Platz dafür zu finden !

Allerdings hat so ein Haus auch Vorteile ! Es regnet nicht rein und man friert auch nicht mehr. Und wenn Hund sich solche Menschen hält, hört auch dieses Bauchgrummeln auf, weil Hund dann immer etwas zu futtern bekommt – und was für leckere Sachen es hier gibt !!!

Natürlich musste ich auch erst lernen, das ich hier im Haus keine Wurstreste oder Pizzastücken oder ähnliches finden, jagen oder bewachen darf ! Dafür gibt es jetzt einen eigenen Napf für mich ! Und auch zwischendurch, gegen den kleinen Hunger hat die Menschin immer etwas zur Hand !

So hab ich mich schnell dran gewöhnt, den Einkaufskorb von der Menschin in Ruhe stehen zu lassen und ich schlepp all die leckeren Sachen auch nicht mehr in meine Schatztruhe ! Stattdessen warte ich, weil für mich gibt’s hier sowieso immer ein leckeres Mitbringsel !

Übrigens gibt es hier auch Menschen, die eine tiefe Stimme haben. Zu einem hab ich schon etwas Vertrauen, bei den anderen bin ich noch sehr vorsichtig ! Und wenn die mir trotzdem zu nahe kommen, geh ich lieber flüchten.

Wobei mir die Leine da manchmal einen Strich durch die Planung macht und dann greif ich besser mal an. Das gleiche gilt auch für einige meiner Artgenossen. Ich musste doch ums überleben kämpfen und da pass ich heute auch noch auf, das mir keiner was weg nehmen kann !

Aber meine Menschin sagt immer – mit etwas Zeit werde ich lernen, das auch tief sprechende Menschen lieb sein können und das ich nun auch keine Angst mehr vor dem Bauchgrummeln haben muss !

Ich vertraue ihr da und deshalb bin ich auch bereit meine geliebte Freiheit gegen dieses leben einzutauschen ! Ich bin lernwillig und ich bin immer brav und versuche der Menschin jeden Wunsch zu erfüllen.

Aber ich bin auch geprägt ! Zu lange musste ich mich allein durchs Leben kämpfen und für mich ist das alles hier zwar ziemlich toll, aufregend und schön aber eben auch völlig ungewohnt !

Um das alles zu lernen, brauchen wir Strassenhunde einen sanft sprechenden Menschen. Wir sind wirklich bereit dazu, Eure Gepflogenheiten & Eure Ordnung zu akzeptieren, wir brauchen nur etwas Zeit dazu, der eine mehr, der andere weniger !



Ich brauche Zeit um Euch und Euer Leben zu verstehen, um mich anzupassen, um Euch zu gefallen, um Euch aus ganzer Seele zu vertrauen, um Euch mit ganzem Herzen zu lieben, Zeit um mit Euch alles zu genießen.

Es wird Zeiten geben, da bin ich mutig, sanft und vertrauensvoll.

Aber bestimmte Situationen machen mir immer noch Angst und dann bitte ich herzlich um Euer Verständnis !

Verzweifelt nicht, sondern zeigt mir bitte, das ich Euch vertrauen kann. Irgendwann, da bin ich mir ganz sicher,

will ich nur noch Euer Kumpel sein, Euer Freund –

mit Euch durch dick & dünn gehen.
Irgendwann, wenn ich all meine Ängste vergessen hab...
Schenkt mir diese Zeit und ich schenk Euch alles, was ich hab !!



News vom 21.11.2008

Nun ist es fast 1 Jahr her, das Pebbels seinen, durch Menschen geplanten Todestag überlebt hat !!
All die Aufregung über sein neues Leben hat er sehr gut verkraftet !
Seine Ängste vor Autos, Dunkelheit, vor Menschen und vor anderen Hunden hat er weitestgehend besiegt !
Er hat keine Angst mehr, wenn ich einen "gefährlichen" Gegenstand, wie z.B. einen Besen, in die Hand nehme !
Er hat sich soooo schnell an unser Leben angepasst, das ist unglaublich !
Pebbels hatte Spass an seiner Grunderziehung, er hat alles mit Freude gelernt !!
In manchen Situationen zeigt er noch leichte Unsicherheiten, aber welches Wesen fühlt sich denn immer sicher ???
Pebbels hat gelernt zu spielen, er hat gelernt in unserer Welt klar zukommen...
er zeigt Vertrauen und er genießt sein Leben !!!

Kein Mensch hat das Recht, Hunden wie Pebbels dieses eine Leben abzusprechen, nur weil die Notnasen im "falschen" Land geboren wurden !!!!

Jedes Notfell hat das Recht zu leben, --> das Recht ein Glücksfell zu sein !!!



in meinem Herzen........


Zuletzt von Romy am Fr 22 Jan 2010 - 5:42 bearbeitet; insgesamt 1-mal bearbeitet
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Silke
Admina
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BeitragThema: Re: Pebbels, vormals Tökmag aus der Tötung Varpalota   Fr 22 Jan 2010 - 5:16

Auch Pebbels kam als Pflegehund zu uns lol
und wir sind ziemlich schnell zu Versagern geworden... zu glücklichen Versagern !!!

Danke kleiner Schatz, das Du uns soviel gelernt hast !!
Danke, das Du bei uns bist !!


in meinem Herzen........
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chayenne8
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BeitragThema: Re: Pebbels, vormals Tökmag aus der Tötung Varpalota   Fr 22 Jan 2010 - 11:38

612 612 612 612

Ooooooch mensch....... 186 du kleine süße Pebbels'maus..... 186
deine Geschichte hast du so klasse erzählt......ich habe jedes einzelne Wort
tief in meinem Herzen gespürt !!

Du hattest einen riiiiesengroßen Schutz :Blueangel: und ich freu mich,
......das du so eine liebe Familie gefunden hast !!

Danke für diese wundervolle Geschichte von dir....... 612 612
gib deinen Zweibeinern mal einen dicken Nasenstubser
von mir !!! 441

Einfach nur schön, dass es "immer wieder"
so liebe, zweibeinige PS-Versager gibt !!!



612 612 612 612
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Petra
MITGLIED
MITGLIED
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BeitragThema: Re: Pebbels, vormals Tökmag aus der Tötung Varpalota   Fr 22 Jan 2010 - 11:56

ach Romy das hast du soooo schön erzählt. Ich weiß noch sehr gut wie du gestanden hast dass du ein Versager bist und Peppels bei euch bleibt.
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Peppi
Admina
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BeitragThema: Re: Pebbels, vormals Tökmag aus der Tötung Varpalota   Fr 22 Jan 2010 - 21:31

Oh menno kleiner Peppels deine geschichte geht ans herz.

Kann man bei Romys Geschichten nicht ein Warnschild davor mschen. Heul.


Lg Silke mit meiner Gang

... erst zum Ende ihres Lebens lernen Blätter das Fliegen.
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Feldmaus
MITGLIED
MITGLIED
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BeitragThema: Re: Pebbels, vormals Tökmag aus der Tötung Varpalota   So 24 Jan 2010 - 7:14

Die Geschichte ist wiklich herzerweichend und ein tolles Plädoyer für die Strassenhunde, egal woher! 153

Romy, Du schreibst die Geschichten wirklich sooooo schön und man spürt beim Lesen, wie sehr Du alle lieb hast! 441
Mußte jetzt mehrmals alle 3 Berichte durchlesen und sie haben mich so bewegt.
Brauchte erst einige Zeit einen Kommentar dazu zu schreiben.

Gibts nicht eine Möglichkeit dies öffentlicher zu machen - sozusagen als "Werbung" für all diese traurigen, gequälten Nasen?

883

LG
Heike und die Rasselbande
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