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 Der schmale Grat

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BeitragThema: Der schmale Grat   Mo 17 März 2008 - 14:36

Dies ist eine Geschichte, die irgendwie uns alle, die wir Tierfreunde sind, betrifft. Dies ist eine Geschichte von einem schmalen Grat, auf dem wir uns alle oft bewegen. Dies ist eine Geschichte von und über Nadia.



Es war ein Tag wie viele vorher, es war der Tag der Deutschen Einheit im Jahr 2005, er fiel auf einen Montag. Nadia hatte sich aus irgendeinem unergründlichen Versteck einen Schatz gesucht, ein Stück Kauknochen, getrocknetes Rindfleisch oder was auch immer, um es nach Herzenslust durchzukauen, ein Unterfangen, welches angesichts der eingeschränkten Anzahl der Einzelteile des Geheges ihrer Zähne nur zu einem unvollkommenen Resultat führen konnte. In der ihr eigenen Hast, als würde sie innerhalb der ihr noch verbleibenden Zeit womöglich zu vieles Versäumen, wenn sie Muße und Geduld an den Tag legt, verschluckte sie den Brocken, was sie so manches Mal auch schon früher folgenlos getan hatte. Diesmal hatte das Schicksal jedoch Anderes mit ihr vor. Es folgte ein Gehuste und Gewürge und Gekeuche, nicht endenwollend, eine Qual, dem zuhören zu müssen, welch Qual erst für sie selbst.

Es stand zu befürchten, dass dieser Fremdkörper irgendwo in Nadias Innerem stecken geblieben war, sie steigerte sich in ihrer Not in eine Panik, die sie sichtlich schwächte, wir mussten um ihr sowieso schwaches Herz fürchten. Es fügte sich, dass die Tierarztpraxis unseres Vertrauens an diesem Feiertag einen Notdienst anbot, ich fuhr mit ihr sofort los.

Nadia wurde untersucht, geröntgt, man tat alles, was in einer solchen Situation zu tun war.

Der Tierarzt, der Nadia am besten kennt, ist ein ruhiger, besonnener, fachkundiger Mann. Er hat die bewundernswerte Gabe, aus dem Gemisch von Klapper-, Quietsch- und Knackgeräuschen, aus denen Nadias Herzschlaggeräusch besteht und das ständige Rhythmuswechsel und Unterbrechungen aufweist, heraushören zu können, ob es Nadia gut oder nicht so gut geht. Er hat jenen wundersamen, bunten Cocktail aus verschiedenen Medikamenten und Wirkstoffen zusammengestellt, der maßgeblich dafür mitverantwortlich ist, dass diese Unmöglichkeit von Herz immer noch am Arbeiten ist und dass Nadia immer noch unter uns weilt.

An diesem Tag war er ziemlich besorgt wegen des Zustands ihres Herzens. Es wurden Maßnahmen zur Entwässerung und die Vergabe von Antibiotika gegen zu erwartende Entzündungen durchgeführt. Danach fuhr ich mit ihr wieder nach Hause.

Ihr Zustand verschlimmerte sich weiter, sie wurde immer schwächer, litt an schwerwiegender Luftnot. Am Nachmittag des gleichen Tages war ich wieder mit ihr in der Praxis. Es bahnte sich eine Lungenentzündung an, sie hatte Wasser in der Lunge, die Herztöne hatten sich weiter verschlechtert. Der Tierarzt tat, was er konnte, er wirkte ungewöhnlich besorgt. Ich hatte die Dosierung ihrer ständig notwendigen Entwässerungs-Medikamente sowieso schon verdoppelt, es wurden nochmals massive Maßnahmen zur Entwässerung durchgeführt.

Ich fuhr wieder heim, in der Hoffnung, dass dieses kleine Energiebündel Nadia auch diesmal die Krise schnell meistern könnte, wie schon manches Mal vorher. Die Nacht wurde für uns alle eine schlimme, durchwachte Nacht. Nadia konnte keinen Schlaf finden, sie hielt ihren Kopf immer ungewöhnlich hoch. Wenn ihr Köpfchen vor Schwäche langsam nach unten sank, konnte sie nicht mehr atmen, woraufhin sie in Panik den Kopf wieder nach oben riss. Sie konnte einfach keine Ruhe mehr finden, und sie wurde sichtlich immer schwächer. Nichts konnte ihr helfen, selbst eine mit Reis gefüllte Socke als Kinnstütze, die sich früher bei unserer Tootsie als so segensreiche Hilfe beim Atmen erwiesen hatte, konnte Nadia keine Linderung oder kurze Ruhe verschaffen.

Die Nacht verrann in Qual und Sorge, am Vormittag des nächsten Tages ging es wiederum zur Tierarztpraxis. Nadias Luftröhre und Speiseröhre wiesen massive Entzündungen auf, ihr Kreislauf stand kurz vor dem Zusammenbruch, sie konnte nicht mehr selbständig trinken, sie hatte eine Lungenentzündung, ihr Körper war voller Wasser. Der Tierarzt untersuchte und horchte sehr lange, sehr gründlich, sehr ernst. Er nahm mich ein kleines Stück beiseite und eröffnete mir, dass er mit seinen ärztlichen Möglichkeiten ans Ende gekommen sei. Seine niederschmetternde Prognose enthielt die Kernaussage, dass Nadias Herz wohl nicht von allein aufhören würde, zu arbeiten, zu hoch sei der Spiegel der Medikamente in ihrem Blut. Er sagte voraus, dass Nadia im Laufe der folgenden Nacht bei vollem Bewusstsein ersticken würde. Er riet mir, angesichts dieser Aussicht die Entscheidung zu treffen, ihre Leiden durch sofortige ärztliche Maßnahme zu beenden.

Ich stand in einem dicken, grauen Nebel, wie aus weiter Ferne hörte ich mich mit einer mir fremden Stimme sagen, dass Nadia noch die Möglichkeit haben müsse, sich von Hannelore und ihren Kumpels zu verabschieden. Ich fragte den Arzt, ob es nach medizinischen Erwägungen vertretbar sei, nochmals nach Hause zu fahren, und am Nachmittag wiederzukommen. Er stimmte zu, wies nochmals darauf hin, Nadia nicht unnötig leiden zu lassen, und ich fuhr nach Hause, fühlte mich wie gelähmt, wusste nicht, wie ich Hannelore diese niederschmetternde Botschaft nahe bringen sollte.

Zuhause waren wir in ratloser Trauer. Nadia wurde immer schwächer, immer kraftloser. Jörn hörte von der hoffnungslosen Situation bei uns, sagte sofort seinen Besuch bei uns an, eine wertvolle, liebe Stütze. Ich entschloss mich am Nachmittag, nochmals mit allen drei Hunden nach draußen zu gehen, ein letztes Mal für Nadia so etwas wie „Stromern im Revier“, oder Abschied nehmen von dem, das auch zu ihrem Zuhause gehört hatte.

Ich hatte mir vorgestellt, sie, die sie so kraftlos war, eine kleine Runde durch ihre Lieblingsgegend zu tragen. Es kam ganz anders: Sie wehrte sich mit allen wenigen Kräften, die noch in ihrem geschundenen kleinen Körper steckten, gegen das Getragenwerden. Sie lief selbst, ganz langsam, mit vielen Pausen, mit einer unbeschreiblichen Würde, eine kleine Runde durch ihr geliebtes Revier. Meine Gedanken waren erfüllt von dem Satz: "Was für eine grandiose Abschiedstour !!"



Irgendwann war auch dieser Weg zu Ende, ich kam mit unseren drei Oldies zurück, Jörn war schon bei uns angekommen und kümmerte sich rührend um Nadia, Hannelore hatte Kontakt aufgenommen mit einer befreundeten Tierärztin, die zu jeder Tages- und Nachtzeit bereit war, Nadia zu behandeln, auch ihrem Leiden ein Ende zu machen, auch zu jeder Zeit zu uns nach Hause zu kommen. Dieser Umstand enthob uns der unabänderlichen Notwendigkeit, jetzt sofort das Ende von Nadia beschließen zu müssen. Nadia lag nach Luft japsend, keine Ruhe findend, auf dem Fußboden unseres Wohnzimmers auf einer Decke, Jörn lag neben ihr, gab ihr Kraft durch seine Nähe, seine Zuwendung. Ich weiß nicht mehr, was in dieser quälend langsam verlaufenden, ungewissen, hoffnungslosen Zeit geschah. Ich konnte nicht weiter helfen, als ihr ab und zu mit einer Spritze etwas Wasser einzuflößen und zu hoffen, dass sie nicht sofort alles wieder heraushustet.

Irgendwann am späteren Abend geschah es, dass Nadia, sich kaum auf ihren schwachen Füssen halten könnend, den Eindruck erweckte, sie wolle nach draußen auf unsere Terrasse. Ich legte eine Decke nach draußen auf die schon recht kalten Pflastersteine, legte Nadia darauf. Sie blieb dort für kurze Zeit, schleppte sich dann wiederholt neben die Decke, entgegen unserer Sorge, mit ihrer Lungenentzündung würde sie sich so vollends den Tod holen.

Und es geschah das Wunder: Mit ihrem Verhalten, das nur einem wieder aufflackernden Lebenswillen entspringen konnte, kühlte sie ihren geschundenen Körper soweit herunter, dass die darin brüllenden Entzündungen sich beruhigten, und sie Schlaf fand, zunächst nur für Minuten, dann auch etwas länger. Mit dem Schlaf fand ihr Körper langsam die Kraft zur Regeneration. Irgendwann schlich sie zum ersten Mal nach langer Zeit zum nahe stehenden Trinknapf und nahm einige winzige Schlucke, sie fing wieder an, für sich selbst zu sorgen.

Es dauerte seine Zeit, aber nicht so lange danach schaffte Nadia wieder Spaziergänge mit uns, die über zwei Stunden dauerten….



Dies war eine Geschichte von Nadia, unserer Super-Oma. Dies ist aber auch eine Geschichte über den Schmalen Grat, auf dem wir alle immer oder immer wieder wandeln.

Nadia befand sich auf diesem schmalen Grat, näher an der Schwelle zum Land an der Regenbogenbrücke als an der Schwelle zurück zum Leben. Für mich ein Wunder, hat sie auf diesem schmalen Grat den Weg zum Leben gefunden. Jedoch, bei ihrem Alter: Die nächste Gratwanderung ist nicht fern. Leider.

Der Tierarzt befindet sich ständig auf diesem schmalen Grat, auf dem er immer wieder entscheiden muß, ob noch die Hoffnung auf Leben besteht, oder er das Beenden des Lebens eines geliebten Partners empfiehlt.

Ich selbst fühle mich auf diesem schmalen Grat, allein, ausgeliefert, ratlos. Wo ist der Punkt, an dem man für das geliebte Tier die Entscheidung trifft, der unnützen Qual ein Ende zu bereiten, aber damit auch das Leben dieses Freundes beendet? Lasse ich diesen Punkt tatenlos verstreichen, und quäle ich damit meinen geliebten Freund, nur wegen meiner Feigheit, meiner Verzagtheit, wegen meiner Unfähigkeit, loszulassen?

Wenn ich keinen Ausweg sehe, als dem Ende zuzustimmen, bleibt in mir die grausame Angst vor dem Moment, in dem die letzte Injektion unabänderlich erfolgt, den ich schon wiederholt erleben musste. Und noch größer ist die Angst davor, dass ich vielleicht den letzten verzweifelten Blick, den letzten vorwurfsvollen Laut verspüren muß, der mir womöglich sagt: „Warum???--- Ich wollte doch noch gar nicht gehen!!!“

Wir, die wir Tiere lieben und mit ihnen zusammenleben, sind dazu verdammt, irgendwann auf diesem schmalen Grat zu wandeln, als Preis für die Liebe, die wir von unseren Tieren empfangen…

Nachbemerkung 1:

Der Tierarzt hörte sich auch weiterhin die merkwürdigen Töne des Herzens von Nadia an und konnte weiterhin wunderbarerweise diesem Chaos entnehmen, wie es Nadia ging. Seine damalige Prognose erwies sich als nicht zutreffend, aber deshalb kann ich ihm nicht böse sein: Zu schmal ist der Grat, weil es außerhalb der medizinischen Kunst eben noch eine andere, unergründliche Weisheit gibt…

Nachbemerkung 2:

Diesem Beitrag sind Bilderpaare beigefügt, die meinem Handy entstammen. Diese Handy-Bilder sind zwar qualitativ eingeschränkt, aber unerreicht spontan, unerreicht ehrlich und unerreicht wirklich. Da das Handy einer meiner ständigen Begleiter ist, werden damit auch viele Bilder erzeugt, die oftmals wahre Dokumente sind.

Das erste Bilderpaar stammt aus der Zeit vor den oben geschilderten Geschehnissen.

Das zweite Bilderpaar entstammt einer ganzen Serie von Bildern, die auf jener von mir geschilderten „Grandiosen Abschiedstour“ von Nadia, die letztendlich gar keine Abschiedstour war, entstanden. Diese Bilderserie gehört für mich zu den am meisten anrührenden, am stärksten beeindruckenden Andenken, die ich von Nadia immer behalten werde.

Das dritte Bilderpaar zeigt Nadia, wie sie danach wieder war.

Nachbemerkung 3:

Im Juli 2007 endete eine weitere der vielen Gratwanderungen von Nadia im Land an der Regenbogenbrücke. Nadia wurde fast zwanzig Jahre alt.


Nachdenkliche Grüße
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Silke
Admina
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BeitragThema: Re: Der schmale Grat   Mo 7 Apr 2008 - 12:24

ach Peter 179

ich weiß nicht, wie oft ich Nadias Geschichte schon gelesen hab..
aber ich leide jedesmal mit und ich kämpfe mit und ich freue mich mit und ich weine mit... und ich hab jedesmal aufs neue Angst, vor dem wandeln auf diesem schmalen Grad.

Fühl Dich lieb gedrückt und Dankeschön für diese berührende Geschichte von Nadia


in meinem Herzen........
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pepito
MITGLIED
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BeitragThema: Re: Der schmale Grat   Do 22 Mai 2008 - 22:07

Hallo Peter,
soeben habe ich Nadias Geschichte gelesen.Es macht mich so traurig,dass ich schon wieder heulen muss.Aber auch irgendwie glücklich(ist dies das richtige Wort?).Weil es Menschen wie Dich gibt ,die ihre Fellnasen von ganzem Herzen lieben und wirklich ALLES zum Wohle des Freundes machen.
Nadia hat wohlbehütet durch Dich, ihr Leben, bis zum Schluss geliebt und in Würde leben dürfen.Dies wünsche ich mir für all unser Mitgeschöpfe.Ich finde das sind wir ihnen schuldig.
Die Wehmut begleitet mich auch täglich ,wissend,dass meine 'Rentner' nur noch eine begrenzte Zeit vor sich haben.
Ich habe Angst vor dem Tag X. Im März 2007 musste ich zum 1.Mal von einer geliebten Katze Abschied nehmen.Sie starb in meinen Armen.Unser TA hat sie in unserem Wohnzimmer eingeschläfert.Noch jetzt stimmt es mich unsagbar traurig ,wenn ich daran denke.
Den richtigen Moment nicht zu erkennen,davor graut es mir auch.Ich sage immer,dass meine Pelznasen sich niemals qälen sollen und das ich die Pflicht habe dies zu verhindern.Aber im letzten Jahr habe ich festgestellt,dass dies einfacher gesagt als ausgeführt ist.
Im Nachhinein hätte meine Katze Kitty schon früher über die Regenbogenbrücke gehen sollen.Die letzten Tage waren für sie eine Qual.Aber ich habe gehofft und versucht...und sie leider doch verloren.
Tja,wann weiss man was richtig ist?????
Lieben Gruß,Gabi.
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Silke
Admina
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BeitragThema: Re: Der schmale Grat   Fr 23 Mai 2008 - 5:54

Hallo Gabi !

Zitat :
Tja,wann weiss man was richtig ist?????

das ist , glaub ich, eine Frage, die sich wohl jeder stellt & die auch jeder nur allein beantworten kann. Zuviele Faktoren spielen hierbei eine Rolle.
Ich kann Dir nur aus meiner Sicht & Erfahrung etwas berichten. Und glaub mir bitte, ich frage mich heute noch, ob ich wirklich richtig entschieden habe...

Hexe "litt" über viele Jahre hinweg an chronischen Nierenversagen. "Litt" schreibe ich in Anführung, weil es ein ewiges auf und ab war. Schon bei der Diagnosestellung ( Hexe war damals 5 - 6 Jahre ) wurde mir gesagt, das es besser wäre, sie gehen zu lassen !
Manchmal litt sie wirklich, doch dann kam schnelle Hilfe in Form von Medikamenten. Aber immer wieder erlebte ich, wie sie aufblühte, wie ich sie bändigen musste. Sie zeigte mir immer wieder, das sie noch nicht bereit war zu gehen & wir gingen diesen Weg gemeinsam. Manchmal zweifelte ich an den Medikamenten und ich fragte mich, für wen ich das alles tue... für die kleine Maus oder tatsächlich nur für mich ? Und wenn die Zweifel am größten waren, schaute diese kleine Maus mich an und tat etwas, was mir all meine Fragen beantwortete... sie spielte plötzlich oder rannte mit mir um die Wette, oder sie lief zum Leggerchenschrank oder holte ein Spielzeug ... manchmal legte sie sich, Streicheleinheiten fordernd, einfach auf die Seite-- sie zeigte mir ihre Lebensfreude, manchmal nur mit den Augen !
Hinzu kam, das einige Menschen sich das Recht herausnehmen wollten, sich einzumischen.... nur weil wir wieder einmal etwas absagten, nur weil ich Hexe ein Stück des Weges trug, nur weil andere meinten, etwas zu wissen.
Sie sahen nur diesen einen Moment, wir sahen ein Leben das geprägt war von Freude, Lebenskraft und Lebensmut, von einem tapferen Hund, der noch lange nicht bereit war zu gehen..
Bis zu jenem Tag.... damals war alles anders..
Es war wieder so ein Tag, an dem es ihr nicht besonders gut ging, aber diesmal hat sie mich mit anderen Augen angesehen....es war ein Blick, den ich nie vergessen werde... ich weiß, wie sich das jetzt liest & trotzdem... genauso war es ! Dieser Blick war einfach nur kraftlos, leer... da war keine Lebensfreude mehr zu sehen. Ehrlich gesagt hab ich in diesem Moment genau gewußt, was sie mir sagen will...
Ich kann nicht mehr bleiben, hilf mir...
und ich setze mich zu ihr auf den Boden und rief den TA an...
Hexe wurde stolze 16 Jahre und 1 Monat ! Und wenn ich heute die schlechten Tage zusammenzählen müsste, dann kommen da wirklich nicht viele zusammen !
Selbst ihre Blindheit über fast 2 Jahre hinweg, haben diese kleine Maus überhaupt nicht belastet. Sie kam damit gut zurecht. Nur manche Menschen eben nicht..

Bei Max musste ich eine Entscheidung, diese letzte Entscheidung innerhalb weniger Stunden treffen. Natürlich leben wir mit unseren Senioren immer mit dem Bewusstsein, das es irgendwann zu Ende ist... aber diesen Gedanken wirklich zulassen, fiel mir zu schwer.
Wie aus dem Nichts kam plötzlich dieser Schlaganfall... und trotz der sofortigen Hilfe in der TK kam der kleine Mann da einfach nicht mehr raus.. die Infusionen zeigten keinerlei Wirkung, im Gegenteil, er bekam Schmerzen, egal wo ich ihn anfassen & streicheln wollte.. er war in einer anderen Welt und ich bekam keinerlei Kontakt mehr zu ihm.

Max hatte eine Herzinsuffizienz, er bekam Medis. Den Gedanken ans Abschiednehmen hab ich trotzdem immer soweit weggeschoben und dann sah ich diesen kleinen Kerl, mit dem ich noch soviel vor hatte, entschwinden.
Wenn auch nur eine dieser Infusionen eine klitzekleine Verbesserung gebracht hätte... aber so... ich traf die Entscheidung, ich allein ! In diesem Moment zweifelte ich nicht daran, die Entscheidung hab ich für ihn treffen müssen und das tat ich auch.

Oft genug hab ich schon gezweifelt, auch heute noch.. Trotzdem weiß ich ganz tief in mir, das es richtig war.

Ich wünschte, das ich diesen schmalen Grad nie wieder gehen müsste, aber das ist ein Wunsch & in der Konsequenz bliebe nur, nie wieder mit einem Tier zu leben...

Wie Du siehst, kann ich Dir Deine Frage nicht beantworten. Ich weiß nicht, was wann richtig ist. Ich hab einfach auf mein Gefühl vertraut... ob es richtig war oder in Zukunft richtig sein wird, weiß ich nicht.. aber ich weiß ganz genau, das keiner meiner Anvertrauten Seelen nur für mich leiden soll, das bin ich ihnen schuldig...
und nun heul ich auch noch ..

nachdenkliche Grüsse
von Romy


in meinem Herzen........
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Sabine
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BeitragThema: Re: Der schmale Grat   Fr 23 Mai 2008 - 7:38

Unsere Hunde sind wirklich immer wieder kleine Wunder, vor allem die Oldies... Und egal wie gut oder schlecht es Nadia gerade ging als du die Bilder machtetst.. Das alte Mädchen strahlte auf allen Bilder STOLZ und WÜRDE aus... So einen ähnlichen Mixoldie hatten wir vor gut 1,5 Jahren als Pflegie, als Bolle zu uns kam hieß es er wäre 15-20 Jahre.. eigentlich haben wir gedacht das der alte Mann zum Sterben zu uns kommt, doch nach 4 Wochen haben sich tatsächlich ganz tolle Leute für ihn gefunden. Dort lebt Bolle heute noch glücklich und zufrieden, geht täglich mit Walken und rennt Treppen wie ein Jungspunt

das ist Bolle


Sabine
Ich kann nicht alle Hunde dieser Welt retten, aber dafür die ganze Welt eines Hundes!

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BeitragThema: Re: Der schmale Grat   Fr 23 Mai 2008 - 7:41

Sabine, das ist so toll, Bolle mal wiederzusehen & vor allem zu lesen, das es dem Kerle immer noch gut geht !!!
Nun hab ich mal wieder ne Gänsehaut - vor Freude !!


in meinem Herzen........
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BeitragThema: Re: Der schmale Grat   Fr 23 Mai 2008 - 9:26

Ein Blick in die Augen von Bolle - und da ist wieder der Eindruck dieser unvergleichlichen Tiefe und Weisheit und gleichzeitig der lausbübischen Lebenslust. Der Eindruck, den ich seit dem Fortgang von Nadia so sehr vermisse.

Dieses Bild von Bolle macht mich so froh. Und es bringt mich fast zum Heulen.

Typisch Hundeoldiejunkie...

Um Fassung ringende Grüße
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Sabine
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BeitragThema: Re: Der schmale Grat   Fr 23 Mai 2008 - 9:43

Bolle war der Knaller als er hier ankam.. Viel zu dick, absolut keine Muskelatur und seine Ballen waren so weich wie bei einem Welpen.. ausserdem einen Herzfehler..
Bole mochte absolut keine Männer, ich konnte alles mit ihm machen und Tom dufte ihn noch nicht mal in die Wanne setzen um die schmutzigen Füsschen abzuwaschen *lach*
In den 4 Wochen hat Bolle hier schön abgespeckt und konnte 2x am Tag 1,5 Stunden ohne Probleme mit laufen.. Der Kerl war/ist so knuffig...


Sabine
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BeitragThema: Re: Der schmale Grat   Do 10 Jul 2008 - 13:01

Leider gibt es irgendwann immer die letzte und finale Gratwanderung, das erhoffte und immer wieder ersehnte Wunder bleibt aus. Deshalb gehört zu der Geschichte des schmalen Grates irgendwann auch der unvermeidliche Epilog.



Der schmale Grat - Ein Epilog

Es gibt den Tod, der unvermittelt und blitzschnell und erbarmungslos über uns hereinbricht....und es gibt den Tod in kleinen Raten, der ganz langsam wächst und zunehmend düsterer die Welt verdunkelt und kaum endenwollend auf ein Finale hinstrebt....und schon befindet man sich wieder auf jenem schmalen Grat....in Nadia konnte man nur wenig Leben erkennen, als sie zu uns kam....ich sehe den Ruck, der durch ihren verwahrlosten Körper ging, als sie zum ersten Mal unsere Terrasse betrat, deutlich vor meinen Augen....sie nahm mit diesem ersten Ruck Besitz von einer neuen Heimat, die ihr gut zu gefallen schien....mit diesem Ruck kam die Kraft in sie zurück, die sie fünfzehn Jahre lang unter widrigen Umständen überleben liess....und mit der sie uns dann weitere fast fünf Jahre ihres Daseins schenkte....viele Krisen hatten wir zusammen zu überstehen....manche dieser Krisen nahmen ihr von ihrer unergründlichen Kraft....aber irgendwo war doch immer noch ein verstecktes Reservoir, aus dem sie schöpfen konnte....meine Wundermaus, mein Bollerköpfchen, meine leckereienschnorrende Geier - Haifisch - Mischung....ein Leben mit einem lädierten Herzen, das eigentlich aus medizinischer Sicht funktionsunfähig war....das hast du geschafft, du kleines Energiebündel....warum konnte es nicht immer so weitergehen....warum hast du uns jetzt doch verlassen....mir alten Sack hast du die wahre Weisheit des Alters gelehrt....hast jeden, der dich traf, mit deiner Güte bezaubert, und dann mit deinem Charme in die Tasche gesteckt....deine Lebenskerze brannte an allen Enden, unvorstellbar, daß sie verlöschen könnte....und doch wird irgendwann der Tribut fällig, den man dem Alter zu zollen hat....wenn man gegen das Nierenversagen nicht mehr ankämpfen kann....wenn diese verfluchten Gifte im kleinen geschundenen Körper umhermarodieren....wenn die arme kleine Oma beginnt, neben sich zu sein....dann steht man wieder auf diesem schmalen Grat, und man weiß, in welche Richtung diese Wanderung führt....und man will es voller Entsetzen doch nicht wahrhaben....irgendwann heute vormittag um kurz vor elf Uhr hat Lilika, eine mit uns befreundete Tierärztin, exekutiert, worum ich sie bat....ich weiß, daß es so richtig war....und ich fühle mich doch so beschissen....um zwölf fand ihre leblose Hülle ihren Platz in einem Grab direkt neben Lucky....warum schmerzt es nur so, daß sie fort ist....Hannelore hat, nachdem ich sie begraben hatte, sie ein kleines Stück begleiten können: Nadia rannte, mit wehenden Ohren, einen Weg entlang....ich bin sicher, daß ich weiß, wohin dieser Weg führt....mein Knopfauge, mein Wischmob, meine Trethupe....mein liebes Wundermädchen....ich wünsche, daß kein Leid und kein Schmerz und kein Kummer dein Dasein mehr trüben möge....du wirst die neue Welt genau so aufmischen, wie du unsere Welt umgekrempelt hast....und ich möchte dir unendlich danken, mein geliebtes kleines Hunde-Omchen....

geschrieben am 15.07.2007





Nachdenkliche Grüße
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Tita
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BeitragThema: Re: Der schmale Grat   Fr 11 Jul 2008 - 4:58

Nachdem wir erst am Montag den kleinen Charly begraben haben,muß ich immer noch weinen,wenn ich solche Texte lese.
Ich frage mich,wie ich das nochmal durchstehn soll und weiß doch,das ich es auch das nächste mal schaffen werde.
Zu schön,zu wertvoll sind die vielen Momente,Augenblicke,Jahre mit meinen bellenden Freunden.
Um nichts auf der Welt möchte ich darauf verzichten,auch wenn dass immer wieder Abschiednehmen bedeutet.
Ein Leben ohne Hunde kann ich mir einfach nicht vorstellen.

Birgit
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